Aufstehen

Karin Prien: Haltung zeigen für Demokratie.

Die Botschaft ist auch nach 100 Jahren noch hochaktuell: Demokratie ist weder selbstverständlich noch in Stein gemeißelt. Sie hängt von uns selbst ab. Das bedeutete auch, dass wir alle Haltung zeigen müssen – zum Beispiel, wenn aus religiösen Motiven Streit entsteht oder sogar Übergriffe stattfinden.

Der Matrosenaufstand macht einen Blick auf die Anfänge unserer Demokratie möglich und erinnert uns genau daran: Freiheit und Demokratie sind nicht selbstverständlich. Wir müssen uns selbst mit ganzer Kraft einsetzen – diese Botschaft ist auch 100 Jahre nach dem Matrosenaufstand so aktuell wie damals.

Es ist wunderbar, dass eine Ausstellung zum Matrosenaufstand durch das Land Schleswig-Holstein zieht und an vielen Standorten gezeigt wird. Möglichst viele können sich mit Demokratie beschäftigen, können lernen und können sich vor allem Gedanken dazu machen, was uns die Geschichte für heute sagt.

Es gibt es eine Menge zu diskutieren und zu beleuchten. Ich denke an die heute mehr denn je nachvollziehbare Weigerung der Matrosen, am Ende eines erkennbar verlorenen Krieges einen selbstmörderischen Befehl auszuführen. Die Matrosen der Kaiserlichen Marine haben den Anstoß zum Sturz der Monarchie gegeben. Ihre Forderung nach gleichem Wahlrecht auch für Frauen, für Meinungsfreiheit und für Beteiligung sind heute noch Kernelemente unserer Demokratie. Wir können auch lernen, dass revolutionäre Bewegungen manchmal zu Radikalisierung und Militanz führen und umso fester die Überzeugung vertreten, dass Militanz und Radikalität nicht mit unserem heutigen Demokratieverständnis vereinbar sind.


Über die Autorin: Karin Prien wurde 1965 in Amsterdam/Niederlande geboren und studierte nach dem Abitur 1984 Rechts- und Politikwissenschaften in Bonn. Die dreifache Mutter ist am 28. Juni 2017 zur Bildungsministerin des Landes Schleswig-Holstein ernannt worden.

Pin It on Pinterest

Share This