Aufstehen

Frank Hornschu: Aufstehen! Für Solidarität, Vielfalt und Gerechtigkeit zum Tag der Arbeit

In diesem Jahr erinnern die Arbeitnehmer*innen und ihre Gewerkschaften im DGB an ihrem Tag der Arbeit auch an die Revolution von vor 100 Jahren. Arbeiter, Frauen und Matrosen, die von ihrer Herkunft ebenfalls Arbeiter waren, setzten sich unter der Parole „Frieden und Brot“ für das Ende des 1. Weltkrieges und für das Ende des unvorstellbaren Elends ein. Zahlreiche Demonstrationen und Streiks der Arbeiter, mit dem Ziel, das grenzenlose Leid zu beenden, fanden in den Jahren 1916, 1917 und Anfang 1918 statt. Die Arbeiter bewiesen mit ihrem Einsatz großen Mut, denn sie waren unmittelbar vom Tode bedroht.

All dieser Einsatz fand dann in den ersten Novembertagen des Jahres 1918 seinen Durchbruch: Von Kiel aus bildeten sich in ganz Deutschland Arbeiter- und Soldatenräte. Am 9. November 1918 dankte der Kaiser ab und Philipp Scheidemann rief vom Balkon des Reichstages die Republik aus. Der Krieg wurde mit dem Waffenstillstand am 11. November 1918 beendet.

Neben diesen zentralen Forderungen schufen die Arbeiter und Frauen weitere Errungenschaf-ten, die unser gemeinsames Leben immer noch prägen: Das allgemeine und geheime Wahl-recht (hier in Schleswig-Holstein galt noch das Drei-Klassen-Wahlrecht), das Frauenwahlrecht und für die Arbeitswelt: Die Anerkennung der Gewerkschaften als Tarifvertragsparteien, die Koalitionsfreiheit, den 8-Stunden-Tag und die Mitbestimmung (durch das Betriebsrätegesetz von 1920).

Nach der totalitären Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten haben sich die Mitglieder des Parlamentarischen Rats nach 1945 an diese Errungenschaften aus der Weimarer Zeit erinnert und diese am 23. Mai 1949 in das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland festgeschrie-ben.

Eben an diese von vor 100 Jahren geschaffenen Errungenschaften knüpfen die Arbeitneh-mer*innen und ihre Gewerkschaften im DGB zum Tag der Arbeit in 2018 mit ihrem Motto „Wir stehen für Solidarität, Vielfalt und Gerechtigkeit“ an. Die Bewegung von damals zeigt uns auch heute, dass nur, wenn jeder Mensch sich für seine Interessen einsetzt, sich zusam-menschließt, und eben solidarisch ist, seine Interessen verwirklicht und zugleich die Unge-rechtigkeiten abgebaut werden können. Dies gilt im gesellschaftlichen Zusammenleben im Allgemeinen – im Besonderen in der Demokratie und in der Arbeitswelt, die schon immer im konstanten Wandel stand und steht und in der die Gewerkschaften stets ohne Option die Stimme der Arbeit bilden.


Über den Autor: Frank Hornschu ist Meister im Handwerk und studierte an verschiedenen Hochschulen. Mit Beginn der 1980er Jahre engagiert er sich ehrenamtlich in der Arbeitnehmervertretung in Nordrhein-Westfalen.

In den 1990er Jahren wurde er hauptamtlicher Mitarbeiter der Gewerkschaft und war bundes- und europaweit tätig. Ende der 1990er Jahre kam er nach Kiel und lebt seitdem in Kiel-Russee, seit 2012 ist er Geschäftsführer und Vorsitzender des DGB Kiel Region.

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